4 Tipps für mehr Gelassenheit im Umgang mit den eltern

Wenn sich der Vater wieder einmal beklagt, dass die Tochter sich zu wenig blicken lässt oder die Mutter sich immer wieder ungefragt in den Lebens- oder Erziehungsstil der Tochter einmischt. Oder aber auch die Eltern pflegebedürftig werden – spätestens dann fragen sich viele Betroffene, wie sie mit ihren Eltern umgehen sollen. Das dass manchmal gar nicht so einfach ist, liegt im sogenannten Loyalitätskonflikt begründet. Einerseits möchten Betroffene ihr eigenes Leben haben, anderseits sehen sie sich oftmals verpflichtet, sich um die Belange der Eltern zu kümmern. Manche Frauen begleitet ständig das Gefühl, es den Eltern „nie recht“ oder „gut genug“ machen zu können. Manch andere beklagen immer wieder, unter den Erwartungen ihrer Eltern regelrecht zu ersticken.

Aus vielen Beratungen weiß ich ich, wie belastend das Gefüge aus Pflichtgefühl, Schuldgefühlen und unausgesprochenen Erwartungen sein kann. Daher möchte ich Dir durch diesen Artikel helfen, die Beziehung zu den Eltern unter die Lupe zu nehmen- damit Du Dich in gesunder Weise von Deinen Eltern abgrenzen kannst – ohne Deine Eltern aus Deinem Leben zu verbannen. Daher beschäftigen wir uns mit folgenden Fragen:

  • Wieviel Kontakt zu den Eltern tut mir wirklich gut?
  • Ist es sinnvoll Familie über alles zu stellen?
  • Ist es überhaupt die „Pflicht“ für meine Eltern da sein zu müssen?
  • Darf ich mich von meinen Eltern abgrenzen?
  • Wie komme ich zu mehr Gelassenheit im Umgang mit den Eltern?
 

1. Warum möchte ich für meine Eltern da sein?

Frage Dich einmal: Was ist Deine Intention, Deine Eltern unterstützen zu wollen? Diese Frage ist sehr entscheidend, denn sie deckt auf, ob Du es aus einem „moralischen Pflichtgefühl“ heraus oder freiwillig, tust.

Oft hört man, dass es doch selbstverständlich sei, sich um die Eltern zu kümmern. Doch letztendlich gibt es keine Verpflichtung, es sei denn, man erlegt sich diese selbst auf. Eine Verpflichtung im Sinne von „Ja die haben Dich ja auch als Kind aufgezogen und jetzt bist Du dran…“, die gibt es nicht. Nirgendwo ist das niedergeschrieben. Daher mache Dir bewusst, wer sich um die eigenen Eltern kümmert, hat immer eine Wahl- es ist kein Muss. Leitgefühl sollte immer sein, wie gut es Dir im Kontakt mit Deinen Eltern geht.

 

2. Mehr Gelassenheit im Umgang mit den eltern -Löse Dich emotional von Deinen Eltern

Egal, ob 6 oder 66 Jahre alt. Ob Du Dich von Deinem Partner/in trennst, den Job wechselst oder umziehst- wie auch immer Deine Lebensumstände verlaufen, das Kind Deiner Eltern wirst Du immer bleiben. Auch wenn Du bereits Dein eigenes Leben führst, auf eigenen Beinen stehst, oder eine Familie gegründet hast, kann es dennoch sein, dass Du Dich emotional noch nicht von Deinen Eltern gelöst hast. Oftmals bleiben Frauen in kindlichen Verhaltensstrategien hängen, weil sie sich insgeheim (unbewusst) immer noch nach Anerkennung und Liebe der Eltern sehnen. Ungestillte Bedürfnisse aus der Kindheit spielen auch in unserem heutigen Leben noch eine große Rolle.

Erhielten wir vor allem Liebe und Aufmerksamkeit, wenn wir lieb und brav alle Aufgaben erfüllt haben, dann kann es uns auch heute schwer fallen, Nein zu sagen. Haben wir als Kind viel auf unsere Geschwister aufpassen müssen, beispielsweise weil die Eltern viel gearbeitet haben, haben wir auch heute noch das Gefühl, uns für bestimmte Menschen/Dinge verantwortlich zu fühlen. So entwickeln sich nach und nach ungesunde Tendenzen im Umgang mit den Eltern. Im Fachjargon nennt man das Parentifizierung. Wir werden quasi die Eltern der Eltern und stellen im schlimmsten Falle deren Leben über das unsere – aus Angst nicht anzuecken oder gar abgelehnt zu werden. 

Eine andere Art von ungelösten emotionaler Themen ist es, wenn Du aus Hass und Wut, den Kontakt zu den Eltern abbrichst. Ich möchte damit nicht sagen, dass der Kontakt zu den Eltern immer aufrechterhalten werden muss. Das sollte immer eine freiwillige Angelegenheit bleiben! Es geht mir eher darum, in den eigenen Frieden zu kommen, was auch immer vorgefallen ist. Raum für die Wut, die Trauer und den Schmerz zu schaffen. Denn auch wenn ich keinen Kontakt mit meinen Eltern mehr habe, bedeutet es eben nicht, dadurch in den Frieden mit der Vergangenheit zu kommen. 

Egal was ist bei Dir ist, es ist sehr hilfreich, an seinen inneren Überzeugungen, Verhaltensmustern zu arbeiten und die (kindlichen) Erwartungen, die Du an Deine Eltern hast, loszulassen bzw. auf anderem Wege zu erfüllen. Das ist oftmals sehr schmerzhaft, aber unglaublich befreiend.

3. Achtsam in der Kommunikation bleiben

Werde Dir über Deine Bedürfnisse, Werte und Visionen klar und richte Dein Leben dementsprechend danach aus. Frage Dich auch, was für einen „Stellenwert“ Du Deiner Familie einräumen möchtest. Was bedeutet Familie für Dich? Was ist der Preis, den Du zu tragen hast? Umso mehr Du Dich mit dieser Fragen beschäftigst, desto klarer wirst Du. Dies führt zu einer besseren Kommunikation mit den eigenen Eltern, weil Du Dich klar positionierst. Das ist wirklich Übungssache. 

Spüre auch im Kontakt zu den Eltern in Dich hinein, wie es Dir geht und achte auf Dich. Manchmal tut auch eine Kontaktpause gut. Je besser Du bei Dir selbst bleibst, desto ruhiger und gelassener wirst Du auch in „Trigger-Momenten“, z.B. wenn die Mutter, wieder einmal am Partner/in o.ä. herumnörgelt.

4. gelassen mit den eltern umgehen- Klare Absprachen treffen

Sprecht sobald wie möglich, ganz offen über Eure Vorstellungen und Wünsche. Formuliere Deine Wünsche in Ich-Botschaften und zeige Deinen Eltern unmissverständlich, wo Du sie unterstützen kannst/möchtest und wo eher nicht. Das gilt insbesondere dann, bevor die Eltern pflegebedürftig werden. Eine Patientenverfügung oder eine Vollmacht helfen, Wünsche und Angelegenheiten schriftlich zu fixieren. Gelingt das nicht, dann stehe für Deine Grenzen ein und halte Dich daran(!).



Fazit für mehr gelassenheit im umgang mit den eltern

Als Erwachsener gehen wir unseren eigenen Weg ins Leben und bleiben gleichzeitig mit den Eltern auf eine neue Art und Weise verbunden. Es geht also nicht darum, seine Eltern von sich wegzustoßen, sondern sie anzunehmen, wie sie nun einmal sind. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, für Deine Grenzen einzustehen. Mache Dir dafür bewusst, was Du möchtest und was nicht. Wieviel Kontakt tut Dir gut?

Sei Dir darüber im Klaren, dass Du nicht für das Glück Deiner Eltern verantwortlich bist und es auch gar nicht sein kannst.  Du hast ein Recht auf Dein eigenes Leben und bist niemanden etwas schuldig. Keiner ist gezwungen, sich um die Eltern zu kümmern.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass vieles davon gar nicht so einfach ist, auch umzusetzen. Nicht umsonst versteht man in der Fachwelt den Umgang mit den Eltern als eine Art „Königsdisziplin“ :-).

Wenn du immer wieder an dem einen oder anderen Punkt festhängst, dann freue ich mich, wenn Du Dich meldest, um Dich mit Deinem Anliegen im 1:1 Life-Coaching unterstützen zu können.